Nach einem Bericht der Zeitschrift RATINGaktuell steht die erste deutsche Rating-Agentur für mittelständische Unternehmen, die URA Unternehmens Ratingagentur AG, vor einem tiefgreifenden Wandel...
Erst am 14.06.2005 hatte die Rating-Agentur in ihrer Pressemitteilung das "Kurzfrist-Rating" als neue Dienstleistung angekündigt. Unternehmen sollen so in die Lage versetzt werden, Banken und Kreditoren die eigene Zahlungsfähigkeit "mit minimalem Aufwand" zu belegen.
Das Geschäftsmodell der URA fußt auf Repräsentanzen, die deutschlandweit aufgebaut wurden. Nach Angaben von RATINGaktuell sind jedoch von den ursprünglich 10 Repräsentanten nur noch drei übrig geblieben. Nun sollen auch diese Vertragsverhältnisse zum Jahresende aufgelöst worden sein.
Zukünftig soll ein "transaktionsbezogenes Vertriebskonzept" mit neuen Partnern das bisherige Konzept ersetzen. Die neue Struktur will die URA im September 2005 der Öffentlichkeit vorstellen.
Im Jahr 2002 hat die Ratingagentur EuroRatings AG als erste deutsche Agentur ihre Aktivitäten komplett einstellen müssen (wir berichteten). Ausschlaggebender Grund war damals die Entwicklung der neuen Baseler Eigenkapitalvereinbarung - Basel II.
Während im erste Konsultationspapier noch ausschließlich eine Ratingeinschätzung durch externe Agenturen vorgesehen war, wurde dieses Konzept bereits im zweiten Konsultationspapier komplett überarbeitet.
Damals war eine regelrechte Goldgräberstimmung unter den Rating-Agenturen zu beobachten.
Auch die URA hätte von einem solchen Modell profitiert. Die Zielgruppe wird definiert als mittelständische Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als 10 Mio. Euro und mindestens 50 Mitarbeitern.
Wäre das erste Konsultationspapier verabschiedet worden, wäre der Mittelstand der größte Nachfrager nach neuen externen Ratings gewesen.
Bislang teilen sich die drei großen Ratingagenturen Standard & Poors, Moody's und FitchRatings das Feld der großen Unternehmensratings.
Doch auch die URA kann auf Mandanten wie
verweisen.
Fakt dürfte aber auch sein, dass Ratings von mittelständischen Unternehmen zur Zeit nicht in genügendem Maße nachgefragt werden. Hierfür dürften im Wesentlichen zwei Gründe eine Rolle spielen:
Mittelständische Unternehmen müssen bereits größere Summen für die Aufstellung von Jahresabschlüssen, bzw. deren Prüfung aufwenden. Auch wenn viele, gerade kleinere Mittelständler nicht unter die Prüfungspflicht gem. § 316 HGB fallen, verpflichten sie oft jedoch externe Zwänge, wie z.B. Kreditinstitute zu einer Prüfung des Jahresabschlusses.
Der geprüfte Jahresabschluss bildet dann die Grundlage der bankinternen Ratings. Diese können nicht durch ein externes Rating ersetzt werden. Vielmehr können diese lediglich eine Ergänzung und Argumentationshilfe bei Bankgesprächen hilfreich sein. Der Zweck eines Ratings erschließt sich daher vielen Mittelständlern nicht. Selbst der Markt der sog. "Pre-Ratings" entwickelt sich nicht, wie gedacht. Hierbei wird nicht der Versuch gewagt ein eigenes Rating zu erstellen. Vielmehr wird ein Unternehmen auf die bankinternen Ratings vorbereitet.