Immer mehr Firmen finanzieren sich in Deutschland über Lieferantenkredite statt über Kreditinstitute. Die daraus resultierenden Risiken verleihen dem Credit Management einen immer höheren Stellenwert...
Diese Entwicklung und die schwache Eigenkapitalquote deutscher Unternehmen führen zu einer wachsenden Bedeutung der Bilanzposition "Forderungen aus Lieferungen und Leistungen" und verleihen gleichzeitig dem Credit Management einen höheren Stellenwert. Schließlich sind Zahlungsausfälle von Unternehmen häufig nur schwer aufzufangen und gefährden sogar die eigene Zahlungsfähigkeit. In diesem Zusammenhang hat das Institut für Unternehmensdiagnose (InDiag) im Fachbereich Wirtschaft der Fachhochschule Bochum im Auftrag des Vereins für Credit Management (VfCM) eine empirische Untersuchung zum Schuldnerverhalten konzipiert, durchgeführt und ausgewertet. Von bundesweit 1.500 angeschriebenen Unternehmen haben sich 117 an der Untersuchung beteiligt. Demnach sollten Lieferantenkreditgeber ihre Ansprüche auf vollständige und fristgerechte Zahlung nicht zu Gunsten einer vermeintlichen Pflege der Geschäftsbeziehung hinten anstellen. Die Forderungsrealisation wird zudem in der deutschen Unternehmenspraxis zu oft durch falsche Rechnungsstellung behindert. Lieferantenkreditgeber sollten stärker als bisher üblich Sicherheiten zur Einräumung des Kredits fordern, denn momentan wird der Großteil der Kredite von den Unternehmen ungesichert eingeräumt und birgt somit ein großes Risikopotenzial. "Im Vergleich zu schriftlichen Mahnungen schreiben Schuldner der telefonischen Zahlungsaufforderung eine größere Wirksamkeit zu. Es ist zu empfehlen, das telefonische Mahnen direkt zu Beginn des Inkassovorgangs in das betriebliche Mahnwesen aufzunehmen", erklärt InDiag-Chef Prof. Dr. Bernd Weiß.
Schuldner passen ihr Zahlungsverhalten den Gläubigern an
Gerade bei säumigen Zahlern sollte ein straffes und konsequentes Mahnwesen betrieben werden, weil sich die Schuldner dadurch zu einer schnellen Begleichung ihrer Verbindlichkeiten bewegen lassen. Bekannte Inkonsequenzen im Credit Management der Gläubiger würden von den Schuldnern erkannt und für eigene Zwecke genutzt, da Schuldner ihr Zahlungsverhalten daran anpassen, so Weiß. Zwei Drittel der befragten Schuldner beachten, dass sich schlechtes Zahlungsverhalten negativ auf die eigene Wirtschaftsauskunft auswirkt. Gläubiger können ihr Mahn- und Inkassowesen straff und konsequent gestalten, denn die deutliche Mehrheit der Schuldner sieht ein derartiges Verhalten nicht als schädigend für eine gute Geschäftsbeziehung an.
Quelle: RATINGaktuell, Nachdruck mit freundlicher Genehmigung des Bank-Verlag Köln.
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